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Die Geschichte des Landsteins

Mönche & Mühle

Vor vielen Jahrhunderten - so erzählt der ehemalige Usinger Lehrer Friedrich Seibert 1896 im Nassauer Allgemeinen Landeskalender - ließ sich eine Bruderschaft an der Stelle des heutigen Landstein nieder.

Die Stille des Ortes, inmitten eines tiefen Talgrundes gelegen, in den vier Wege zwischen ebenso vielen Bergkuppen hinabführen, gab demselben eine gewisse Weihe, die Pilger und Wallfahrer anzog, zumal, da die Bruderschaft das Recht erwarb, Ablaß zu erteilen. Als Grenzpunkt der Herrschaft Weilnau, erhielt der Ort den Namen Landstein. Durch den Zuzug und die Ansiedlung von Landleuten entstand ein Dorf, es wurden Märkte daselbst gehalten. Man errichtete eine mit einem Priester besetzte Pfarrkirche, die den Namen „Unserer lieben Frauen zu Landstein“ erhielt. Die Dörfer Landstein, Finsternthal und Treisberg pfarrten zu ihr. Das war die Blütezeit des Landstein. Mit der Reformation begann der Rückgang. Die Dörfer wurden zur Kirche Altweilnau verwiesen, die Wallfahrten hörten auf, es blieb nichts übrig als die Mühle, einiges Gemäuer und ein alter Turm. Die Mönche wanderten aus.

Doch nach einiger Zeit hieß es, die Mönche seien wieder da. Sie hatten sich im oberen Stockwerk der Mühle eingemietet unter der Bedingung, daß von den Müllersleuten niemand zu ihnen hinaufkomme. Speise und Trank wollten sie sich selbst unten holen. Es waren ihrer zwölf. Was mögen sie wollen?

Der Müller hörte sie zuweilen mitten in der Nacht die Treppe herunterkommen und zum Haus hinausschleichen. Im Mondschein sah er sie dann das in Schutt und Trümmern daliegende Gelände von Dorf und Kloster Landstein durchstreifen.

Eines Morgens aber hörte die Magd des Müllers, als sie in der Küche die Morgensuppe bereitete, oben bei den Mönchen ein helles Klingen und Klappern. Neugierig zieht sie die Schuhe aus, schleicht auf Strümpfen die Treppe empor und guckt durch’s Schlüsselloch. sie weiß sich vor Staunen kaum zu halten: Die Mönche sitzen da am Tisch und zählen... Geld. Rasch erzählt das Mädchen das Gesehen ihrer Herrschaft. Aufgeregt sprach man untereinander in der Mühle darüber, erging sich in Vermutungen und versprach sich gegenseitig, Stillschweigen darüber zu bewahren.

Doch Lenchen, das siebenjährige Müllertöchterlein, hielt sich nicht daran. Es erzählte Jungen und Mädchen, Großen und Kleinen, was es wußte: „Es sind zwölfe. Sie holen ihr Geld, das sie hier vergraben haben. Ihre Mäntel und Kapuzen sind feuerrot“.

Die Mönche hatten natürlich bemerkt, das sie entdeckt wurden und packten ihre Sachen inklusive Fund. Sie verschwanden auf niemehrwiedersehen. Aber haben sie wirklich alles gefunden?